Nutzen von antimikrobiell beschichtetem Nahtmaterial zur Prävention chirurgischer Wundinfektionen (Surgical Site Infections – SSI)

Aktuelle Richtlinien geben teilweise unterschiedliche Empfehlungen für den Einsatz beschichteter Nahtmaterialen bei Operationen. So stellte die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) in ihren Empfehlungen im Jahr 2018 fest: „Die diesbezügliche Studienlage ist uneinheitlich. Die WHO empfiehlt die Verwendung unabhängig von der Art der Operation [..], das CDC in der Viszeralchirurgie.“ 1

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2025 eine Meta-Analyse durchgeführt, um die bis dahin uneinheitliche Evidenzlage unter Einbeziehung neuerer Studien zu aktualisieren und auf dieser Basis eine klarere Empfehlung zum Einsatz beschichteter Nahtmaterialien abzuleiten. 2

Methodik der Auswertung

Insgesamt wurden 992 Publikationen aus dem Zeitraum von 2015 bis 2023 anhand definierter Suchparameter und gemäß PRISMA-Kriterien (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) identifiziert. Daraus gingen 31 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 17.968 Patient:innen in die qualifizierte Auswertung ein. Diese berücksichtigte im Weiteren auch die Evidenzsicherheit nach anerkannten Kriterien.

Signifikante Reduktion der Infektionsraten

Die Wirksamkeit von Triclosan-haltigem Nahtmaterial hinsichtlich postoperativer Wundinfektionen wurde im Rahmen der Analyse systematisch untersucht. Dabei zeigte die Auswertung der Daten eine Inzidenz chirurgischer Wundinfektionen von 12,1% in der Gruppe mit Triclosan-haltigen Fäden (1.098 von 8.969 Patient:innen) gegenüber 14,7% in der Vergleichsgruppe ohne Triclosan (1.324 von 8.999 Patient:innen). 3
Dies entspricht einer Reduktion um 39 Wundinfektionen pro 1.000 behandelter Patient:innen. Die „Number Needed to Treat“ (NNT) lag bei 40 – es müssen also 40 Patient:innen mit beschichtetem Nahtmaterial versorgt werden, um einen Infektionsfall zu vermeiden.

Die Ergebnisse der Meta-Analyse belegen damit, dass Triclosan-haltige Fäden das Risiko für postoperative Infektionen in den bewerteten Publikationen signifikant gesenkt haben. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei oberflächlichen und tiefen Wundinfektionen, während sich bei Organ bzw. Körperhöhleninfektionen kein vergleichbar starker Nutzen zeigte.

Die in die Meta-Analyse eingeschlossenen randomisiert-kontrollierten Studien umfassen überwiegend stationäre Patient:innen mit teils komplexen, kontaminationsreichen oder viszeralchirurgischen Eingriffen, bei denen das Basisrisiko für SSI deutlich über den in der Gesamtheit aller chirurgischen Eingriffe berichteten Durchschnittswerten liegt.

Sicherheit der Evidenz

Die Evidenzsicherheit wurde nach den GRADE-Kriterien (Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation) bewertet und als moderat eingestuft. Grund hierfür war – trotz der hohen methodischen Qualität der eingeschlossenen Studien – vor allem eine gewisse Heterogenität hinsichtlich Patientenkollektiv, Operationstyp und Studiendesign.

Trotz dieser Sachlage kommen die Autor:innen der Analyse zu dem eindeutigen Schluss, dass die vorliegenden Daten eine belastbare Grundlage für die Aussage bieten, dass Triclosan-haltiges Nahtmaterial das Risiko postoperativer Wundinfektionen signifikant senkt. Ferner erachten sie es als wenig wahrscheinlich, dass zukünftige weitere randomisiert-kontrollierte Studien das Gesamtbild der aktuellen Evidenz noch wesentlich verändern könnten.

__________________________________

1 Prävention postoperativer Wundinfektionen: Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2018 Apr;61(4):448-473

2 Jalalzadeh H et al.: Triclosan-Containing Sutures for the Prevention of Surgical Site Infection: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Netw Open. 2025;8(3):e250306

3 Die in die Meta-Analyse eingeschlossenen randomisiert-kontrollierten Studien umfassen überwiegend stationäre Patient:innen mit teils komplexen, kontaminationsreichen oder viszeralchirurgischen Eingriffen, bei denen das Basisrisiko für SSI deutlich über den in der Gesamtheit aller chirurgischen Eingriffe berichteten Durchschnittswerten liegt.

Fragen Sie unser Team
ask
Melden Sie sich für unseren Newsletter an.