
Surgical-Site-Infections (SSI) gehören weltweit zu den häufigsten nosokomialen Infektionen mit den bekannten Auswirkungen auf verlängerte Liegedauer, erhöhte Morbidität und Mehrkosten. Eine systematische Meta-Analyse1 untersuchte den Einfluss der Patient:innenbeteiligung auf SSI-Raten und kommt zu dem Schluss, dass deren aktive Einbindung ein bislang unterschätzter Baustein der SSI-Prävention ist.
Von 290 Publikationen aus dem Zeitraum zwischen 2010 und 2024, welche durch strukturierte Recherche in vier Datenbanken nach PRISMA-Vorgehen (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) ermittelt wurden, erfüllten schließlich acht Studien unterschiedlicher Designs die Inklusionskriterien vollständig. Berücksichtigt wurden englischsprachige Publikationen zur Patient:innenaufklärung und -beteiligung unter Einbezug von Angehörigen, während Studien ohne Volltextzugang, Duplikate, nicht-englischsprachige, zurückgezogene Arbeiten sowie Beiträge ohne direkten Bezug zur Patient:innen- und Angehörigenbeteiligung ausgeschlossen wurden.
Die Analyse identifizierte drei wesentliche Formen in der zugrunde liegenden wissenschaftlichen Literatur:
Mehrere Studien belegten zudem eine erhöhte Therapie-Compliance bei aktiver Einbindung von Patient:innen in ihren eigenen Behandlungsprozess.
Die Wirksamkeit dieses Ansatzes spiegelt sich in deutlichen Ergebnissen wider: So konnte beispielsweise in einer brasilianischen Studie die SSI-Rate von 16,4% auf 5,1% gesenkt werden, eine britische Studie zeigte eine Reduktion von 16,4% auf 4,7%, und eine Untersuchung in Thailand dokumentierte eine 70%ige Verringerung der Infektionsraten.
Trotz der möglichen Bedeutung der Patient:innenbeteiligung für die Reduktion von SSI wird diese noch nicht systematisch und umfassend umgesetzt. Herausforderungen wie Wissensdefizite aufseiten der Patient:innen, Kommunikationsprobleme und Gefühle von Entmachtung stellen zentrale Barrieren dar, die gezielt adressiert werden müssen.
In Beobachtungen zeigte sich, dass digitale Wundüberwachungs-Apps von Patient:innen gut angenommen werden, da sie häufige und komfortable Nachkontrollen ermöglichen und so auch Ängste nach der Operation reduzieren können. Allerdings konnte auch beobachtet werden, dass medizinisches Personal im sekundären Versorgungsbereich oft unzureichend mit Patient:innen über Infektionsrisiken kommuniziert und es versäumt, konkrete Informationen bereitzustellen.
Ansatzpunkte für Patient:innenbeteiligung bestehen entlang der gesamten Vorbereitungs- und Behandlungskette – von Lebensstilmodifikationen (Rauchen, Gewichtsreduktion) über Infektionspräventionsschulungen (Hygiene) und präoperativen Maßnahmen (Duschen, Haarentfernung) bis hin zur postoperativen Wundversorgung und Früherkennung von Infektionszeichen. Die Kombination evidenzbasierter und bereits weit verbreiteter Maßnahmen-Bundles mit neuen Strategien zur Stärkung der Patient:innenbeteiligung könnte deshalb eine wirkungsvolle Kombination für die SSI-Prävention sein.
Auf L&R Prevent & Protect finden Sie eine ganze Reihe hilfreicher Materialien zu evidenzbasierten SSI-Richtlinien und der Beteiligung von Patient:innen:
|
1 A’aqoulah A et al.: The Impact of Patients’ Engagement in the Prevention of Surgical Site Infections: A Systematic Review. Infect Drug Resist. 2025; 18:5761–5770
2 Tartari E et al.: Patient engagement with surgical site infection prevention: an expert panel perspective ARIC 2017; 6:45